Medikamente können gefährlich sein

Fast hätte es für Isabel Waltering stehende Ovationen gegeben, denn die Zuhörerinnen und Zuhörer waren begeistert von ihrem Vortrag zur Medikamentensicherheit. Die SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus hatte bei ihrer monatlichen Versammlung im Hotel Johanning die Mitarbeiterin der Uni Münster eingeladen, um über dieses ebenso wichtige wie interessante Thema zu referieren und mit ihr zu diskutieren. Anschließend fasste Frau Waltering ihre Aussagen in einem Gespräch zusammen:

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Engagiert und begeisternd referierte Isabel Waltering vor der SPD-AG 60plus zum Thema Medikamentensicherheit.

 

  • Viele Zuhörerinnen und Zuhörer staunten darüber, dass man Medikamente nicht mit Mineralwasser einnehme soll. Wieso mit Leitungswasser?
    • Mineralwasser, wie der Name es schon sagt, enthält eine nicht unerhebliche Menge an Mineralien wie Calcium und Magnesium. Diese Bestandteile lagern sich zum Teil an Arzneimittel, wie z. B. bestimmte Antibiotika oder Schilddrüsenhormone und vermindern so die Aufnahme in den Körper. Das kann so weit führen, dass keine ausreichende Wirksamkeit erreicht werden kann und im Falle von Antibiotika ein Infekt sich verschlimmert statt sich zu bessern.
  • Medikamente soll man wie am besten aufbewahren?
    • Medikamente, insbesondere Tabletten, sind zumeist recht gut in sogenannte Blister eingeschweißt. Diese Art der Verpackung sorgt dafür, dass die empfindlichen Wirkstoffe vor Licht, Feuchtigkeit und Sauerstoff geschützt sind. Eine ganze Reihe von Arzneistoffen sollten daher auch in diesem Blister aufbewahrt werden um zu garantieren, dass sie auch nach einer längeren Zeit sicher und in vollem Umfang wirken. Die Veränderung der Wirkstoffe kann man den Tabletten in den meisten Fällen nicht einfach ansehen oder man kann es auch nicht riechen. Wenn also Tabletten außerhalb des Blisters aufbewahrt werden sollen, in sogenannten Dosetten, muss sichergestellt sein, dass das Arzneimittel auch stabil bleibt. Hier empfiehlt es sich in der Apotheke nach besonderen Lagerungsbedingungen zu fragen. Ist ein „Ausblistern“ nicht sinnvoll, so kann man diese Tabletten auszuschneiden und sie so geschützt in die Dosette legen. Grundsätzlich sollten alle Arzneimittel an einem Ort aufbewahrt werden, der nicht dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt ist, wie z.B. die Fensterbank und auch nicht in der Nähe des Herds oder eines Wasserkochers oder im Badezimmer, da dort meist eine zu hoch Luftfeuchtigkeit herrscht. Eine weitere Möglichkeit zur Lagerung ohne Ausblistern bietet auch der MediTimer®, eine besondere Form der Dossette. Sind Kinder oder auch demente Bewohner mit im Haus, so sollte auch hier darauf geachtet werden, dass diese keinen ungehinderten Zugriff auf die Arzneimittel haben. Auch bei Tropfen sind zum Teil besondere Lagerungsvorschriften zu beachten. Auch hier kann es notwendig sein diese im Karton aufzubewahren oder sogar bis zum Anbruch im Kühlschrank, wie es bei einigen Augentropfen der Fall ist. In den meisten Fällen können speziell die Augentropfen aber bei Raumtemperatur gelagert werden, wenn sie einmal angefangen wurden. Wichtig ist jedoch, dass alle Tropfen und Säfte dicht verschlossen gelagert werden sollten und, dass sie nach Anbruch nur eine begrenzte Zeit verwendbar sind.
  • Wenn man Tabletten nicht im Ganzen schlucken kann, ist es dann unbedenklich, diese zu teilen, in Wasser aufzulösen oder zerstampfen?
    • Nicht jede Tablette ist ohne Probleme zu teilen oder zu „zerstampfen“. Grundsätzlich sollten Tabletten, die keine Bruchrille enthalten, nicht geteilt werden. Es kann nie sichergestellt werden, dass der Wirkstoff auch wirklich gleichmäßig in der Tablette verteilt ist. Auch gibt es Tabletten, die eine ganz besondere Technologie enthalten, die sicherstellt, dass unter Umständen der Wirkstoff für 12h oder länger gleichmäßig freigesetzt wird. Diese Technologie würde beim Teilen oder Pulverisieren zerstört und der Wirkstoff würde dann sofort und in viel zu hohen Dosierungen freigesetzt, aber die Wirkung würde nicht ausreichend lange anhalten. Manche Arzneistoffe dürfen z.B. auch nicht mir Magesnsäure in Kontakt kommen, wie Pantoprazol und daher sind die Tabletten meist mit einem besonderen Schutz versehen oder der Wirkstoffe ist speziell umhüllt. Würde man diesen Schutz zerstören, so werden die Arzneistoffe unwirksam. Doch auch, wenn Tabletten mit einer „Rille“ versehen sind, bedeutet es nicht, dass auch hier problemlos geteilt werden kann. Auch hier kann teilweise nur zum besseren Schlucken geteilt werden, da der Wirkstoff nicht gleichmäßig verteilt ist. Somit müssen dann trotzdem beide Teile zum selben Zeitpunkt geschluckt werden. Außerdem gibt es auch noch sogenannte „Schmuckrillen“. Auch hier darf die Tablette nicht geteilt werden, auch wenn eine Kerbe vorhanden ist. Sinnvoll ist es auch hier in der Apotheke nachzufragen, denn dort stehen die Informationen bezüglich der Teilbarkeit auf Knopfdruck zur Verfügung.
  • Kann ich meine Medikamente für mehrere Wochen in meinen Medikamentendosierer verteilen?
    • Wie bereits erwähnt, ist es nicht sinnvoll jede Tablette in einen Dosierer oder in eine Dosette umzufüllen. Grundsätzlich bilden die Tabletten und ihr Blister eine Einheit. Wenn ein Arzneimittel umgefüllt wird, dann sollte dieses nach allgemeinen Erfahrungen für nicht länger als 7 Tage erfolgen. Werden Tabletten geteilt und in den Medikamentendosierer umgefüllt, so wird es wieder schwierig mit der Stabilität, denn nun fehlt nicht nur der Schutz der Verpackung, sondern auch die Tablette wird durch das Teilen empfindlicher für Umwelteinflüsse wie Licht und Feuchtigkeit. Bleiben beim Stellen von Tabletten in eine Dosette am Ende halbe Tabletten übrig, so sollten diese im Hausmüll entsorgt werden.
  • Die Beipackzettel sind oft sehr unverständlich. Wen kann ich zu den Medikamenten fragen?
    • Nicht umsonst heißt es in der Werbung „fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“. Besonders bei Bedenken auf Grund der Informationen im Beipackzettel sollte dieses Angebot in Anspruch genommen werden und nicht aus Angst oder Unbehagen das Medikament nicht eingenommen werden.
  • Manche Medikamente sind eingeschweißt oder in Behältnissen, die man nur schwer öffnen kann.
    • Häufig gibt es spezielle Formen der Verpackung um sicher zu stellen, dass Kinder nicht aus Neugier Tabletten schlucken können oder Säfte zu sich nehmen. Leider stellen sich diese Verpackungen oft auch als Patienten-sicher heraus. Um Tabletten gut aus den Verpackungen herauszubekommen kann eine bestimmte Technik beim Herausdrücken angewendet werden. Hier wird eher seitlich Druck auf die Tablette ausgeübt. Auch kann der Blister von hinten am Rand mit meist nur sehr wenig Druck mit einem Zahnstocher oder Kugelschreiber perforieren werden. Auch Hilfsmittel wie ein „Pillendrücker“ können hier eingesetzt werden. Einige Tabletten dürfen allerdings gar nicht aus dem Blister herausgedrückt werden. Hier darf die Folie nur abgezogen werden. Dies ist bei vielen Tabletten der Fall, die auf der Zunge zergehen, sogenannte Schmelztabletten oder bei Tabletten und Kapseln mit empfindlichen Überzügen.
    • Machen kindersichere Verschlüsse bei Säften oder Tropfen Probleme oder auch Beutel, so sollten Patienten sich diese, wenn die Arzneimittel zeitnah angewendet werden, von der Apotheke das erste Mal öffnen lassen.
  • Wer klärt mich über Nebenwirkungen auf? Wen kann ich fragen?
    • Nebenwirkungen sind ja im Beipackzettel aufgeführt und führen oft zu Bedenken bei Patienten. Zu beachten ist hier, dass auf die Häufigkeit einer Nebenwirkung zu achten ist und auch wie lange ein Arzneimittel und in welcher Dosis es eingenommen wurde. Erste Anlaufstelle bei möglichen Nebenwirkungen kann die Apotheke sein, die dann Auskunft gibt, ob ein Arztbesuch sinnvoll und notwendig ist. Nebenwirkungen sind besonders wichtig bei neueren Arzneimitteln. Diese neuen Wirkstoffe sind durch ein schwarzes Dreieck auf dem Beipackzettel zu erkennen. Hier ist es besonders wichtig, dass Nebenwirkungen von der Arztpraxis, der Apotheke oder auch dem Patienten gemeldet werden.

 

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Zur Person: Isabel Waltering, Doctor of Pharmazie, ist Apothekerin und arbeitet an der Westfälischen Wilhelms-Universität im Institut für Pharmazeutische und medizinische Chemie als Koordinatorin für Arzneimitteltherapiesicherheit.

 

 

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